Ob sich Johnny Logan Sorgen gemacht hat, als am 24. Mai die schwedische Interpretin Charlotte Perrelli im Finale von Belgrad ihren Auftritt beim 53. Eurovision Song Contest absolvierte? Der irische Sänger ist mit zwei Siegen 1980 und 1987 der unangefochtene König des Grand Prix, denn kein Kandidat konnte bislang seinen doppelten Triumph wiederholen.
Schweden hat es sich offenbar zur Aufgabe gemacht, seiner Hoheit Johnny Logan eine Königin an die Seite zu stellen. 2006 schickten sie die Grand Prix Gewinnerin von 1991, Carola Häggkvist, erneut ins Rennen. Ihr Song "Invincible" schaffte es in Athen allerdings nur auf Rang fünf. Nun sollte die Erstplatzierte von 1999, Charlotte Nilsson, in Belgrad mit ihrer Grand Prix Hymne "Hero" König Logan seinen Thron streitig machen. Die Siegerin beim schwedischen Melodifestival 2008 heißt inzwischen zwar Charlotte Perrelli, doch die Fans werden die schlanke Blondine sofort wiedererkennen. Für die Schweden ist es der letzte Versuch, mit den Iren und Johnny Logan gleichzuziehen - es sei denn die Boygroup Herreys kehrt nach 25 Jahren als Rentnerband auf die Bühne zurück oder Abba beschließen eine sensationelle Wiedervereinigung. Nun müssen sie wohl auf eine der beiden Bands zurückgreifen, denn Charlotte Perrelli landete am Ende auf dem 18. Platz.
Als Stargast beim deutschen Vorentscheid am 6. März im Hamburger Schauspielhaus begeisterte die 33-Jährige die Zuschauer mit dem Titel "Take Me To Your Heaven", mit dem sie 1999 den Contest vor der Isländerin Selma und der deutschen Gruppe Sürpriz gewann.
Nach ihrem Triumph in Jerusalem nutzte die Sängerin, die am 7. Oktober 1974 im südschwedischen Hovmantorp zur Welt gekommen ist, ihre Popularität für zahlreiche Wunschprojekte: Sie brachte eine eigene Kosmetiklinie auf den Markt, übernahm Musicalrollen in "Jesus Christ Superstar" (2003) und "Die Schöne und das Biest" (2007) und ihre Solokarriere führte sie auf Tourneen durch Europa, Asien und Australien. In den vergangenen neun Jahren veröffentlichte die Sängerin sechs Soloalben, das letzte kam im April diesen Jahres auf den Markt und trägt den Namen ihres aktuellen Grand Prix Beitrags: "Hero". Nur Ende 2003 legte die Schwedin eine kleine Pause ein und brachte am 8. Januar 2004 Sohn Angelo zur Welt.
2004 änderte Charlotte Nilsson ihren Nachnahmen in Perrelli und kehrte aus der Babypause als Moderatorin des damaligen Melodifestivals ins Rampenlicht zurück. Danach stieg der Druck, erneut als Interpretin beim schwedischen Vorentscheid teilzunehmen. Aber erst vier Jahre später erhörte sie ihre Fans. Am 15. März 2008 ließ sie in der Globe Arena in Stockholm wieder die Windmaschinen anschmeißen und fegte als Favoritin der Jury und als Zweitplatzierte im Televoting die Konkurrenz von der Bühne.